Wasserlandschaft Mirke

Titel Wasserlandschaft

 

 

 

Präambel

Wasser und der Zugang zu sauberem Wasser waren prägend für die Entwicklung der Menschen und die Urbanisierung des bergischen Landes. Wasser war und ist für das Leben in Wuppertal von elementarer Bedeutung. Der Förderverein pro Mirke e.V. und das Projekt Wasserlandschaft Mirke stellen sozialräumliche und lebensraum-gestaltende Zusammenhänge entlang eines Bachlaufes dar und erfüllen Begrifflichkeiten wie Heimat und Transformation mit einem lebendigen, menschennahen und zukunftsgestaltenden Anspruch.

 

 

 

Stadtblau

 

 

 

 

Wasserlandschaft Mirke

Wuppertal wurde geprägt durch den Fluss Wupper und unzählige Bäche, die eine unverwechselbare Topographie erschaffen haben. Das herzogliche Privileg der Garnnahrung aus dem Jahre 1527 führte im Bergischen zu einer einzigartigen Entwicklung des Textilgewerbes, einhergehend mit einer zunehmenden Nutzung von Wasser und einem steigenden Wasserverbrauch. Das Bleichen und die Veredelung von Garnen trieben nicht nur die Urbanisierung und Industrialisierung  im Bergischen voran, sondern führten auch zu einer innigen Beziehung der Menschen zum Wasser. Fluss, Bäche und Teiche wurden nicht nur industriell genutzt sondern als Bade- und Gondelteiche auch zu wichtigen Kultur- und Sozialräumen und damit auch zu Orten des bürgerschaftlichen Engagements.

Die industrielle Entwicklung führte zudem Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Wachstumsexplosion, die existenzielle Herausforderungen an das Zusammenleben der Menschen in der Stadt stellten und einen enormen Natur- und Umweltverbrauch zur Folge hatten.

Elementare Gemeingüter wie saubere Luft und sauberes Wasser wurden knapp und es entstanden existenzbedrohende Zuständen in deren Folge sich u. a. Verschönerungsvereine bildetenn. Wie auch andernorts hatte der Besuch Goethes in Elberfeld 1774 die Heranbildung bürgerlicher Vereinigungen angestoßen, in deren Mitten die Entwicklung von Stadtgesellschaft und Stadt diskutiert und vorangebracht werden sollten. Die häufig durch Standesdenken geprägten Vereinigungen erfuhren Mitte des 19. Jahrhunderts mit Gründung der ersten Sportvereine eine Bereicherung, da Bewegung und damit Gesundheit unabhängig vom Stand angeboten und miteinander praktiziert wurden.

Für Wuppertal und das Bergische muss es als Glücksfall angesehen werden, dass die Anfang des 19. Jahrhunderts auslaufende Rasenbleiche durch die industrielle Fixbleiche zunehmend ersetzt wurde. Hierdurch ergaben sich aus dem zuvor streng regulierten Zugang zu Wiesenflächen an Fluss- und Bachufern neue Nutzungsmöglichkeiten, wobei die steigenden Bodenpreise den Verkauf als Bauland besonders lukrativ machen.

In der Mirke 1 befindet sich an der damaligen nördlichen Grenze Elberfelds das Gutshaus der Teschemachers, einer alt eingesessenen Elberfelder Familie mit Bleichertradition, die am Vogelsangbach unterhalb des Mirker Hains 1851 eine Schwimm- und Badeanstalt eröffneten. Möglicherweise inspirierte das Wirken des Philanthropen GutsMuths und die Veröffentlichung seiner Kleinen Schwimmschule von 1797 die erste Gründung einer bürgerlichen Bildungseinrichtung zum Erlernen der Schwimmkunst in der Mirke. Doch erst die Wandlung von (Bleicher-)Teichen zu Schwimm- und Badeanstalten ermöglichte den Wuppertalern den Zugang zum Wasser zum Zwecke der Erholung, als Lernort und zur sportlichen Betätigung. Die anfänglichen Eintrittspreise machten die Einrichtung jedoch nicht für alle zugänglich, sondern nur Personen mit gehobenem Einkommen und entsprechend finanzieller Ausstattung konnten sich den Besuch der BAdeanstalt leisten. Im Zuge von Sozialreformen und erstrittener Teilhabe an öffentlichen Räumen wurde die Schwimm- und Badeanstalt in der Mirke zu einer kommunalen Einrichtung und für alle bezahlbar. Der sich parallel entwickelnde Stadtpark Mirker Hain (heute nur noch Stadtwald) machte die „Mirke“ zu einem Ort für urbane Wasser- und Walderlebnisse, die mit der Redensart „Wir gehen in die Mirke“ sprichwörtlich wurden.

Das Projekt Wasserlandschaft Mirke soll die überragende Bedeutung von Bächen, Teichen und Wäldern für das Bergische und für Wuppertal wieder in den Fokus der Stadtentwicklung rücken. Das in der Stadtgesellschaft verloren gegangene Wissen um die Bedeutung des größtenteils verborgenen und verrohrten Wassers aber auch die Freude am Spiel und Toben im und am Wasser sollen wieder lebendig erfahrbar werden und nicht zu einem bloßen Narrativ verkommen! Natur und Stadt und deren sozialräumlichen und ökologischen Beziehungen und Bedeutungen schaffen Lebenswerte!

Goethe meinte sprichwörtlich „Wenn man ins Wasser kommt, lernt man schwimmen“ und beschrieb so, dass Fähigkeiten erworben werden, wenn die Gelegenheit durch ein entsprechendes Umfeld gegeben sind. Bezogen auf Wuppertal ist festzustellen, dass von den einstmals vielfältigen Badestellen auf Wuppertaler Stadtgebiet heute keine einzige öffentliche Badestelle und kein einziges Naturbad als Lernort und soziokultureller Treff verblieben sind. Dieser stetigen Verarmung gilt es entgegenzuwirken. Stadtblau und öffentliche Gewässer bilden ein Gemeingebrauchsrecht und sind daher zu schützen und zu entwickeln. Dies beinhaltet ausdrücklich auch das Recht, sich im Wasser zu bewegen, zu spielen und zu toben!

Womöglich hat Wuppertal die Bedeutung seiner Ressourcen und insbesondere des Stadtblaus noch nicht voll erkannt und ausgeschöpft. Das in 2027 anstehende 500 – jährige Jubiläum anlässlich des Privilegs der Garnnahrung rücken das Stadtblau und Stadtgrün im Bergischen in einen neuen Zusammenhang.

Das aus Kanälen aufbrechende Wasser der vergangenen Wochen ist uns ein deutliches Zeichen, dass Wasser als Ressource für das Leben und als Kulturgut schon viel zu lange „unter dem Deckel“ gehalten werden. Das Bergische ist wasserreich doch unsere Städte sind größtenteils trockengelegt und es fehlen Räume mit hochwertiger Aufenthaltsqaulität und insbesondere Gemeinwohl- und Entfaltungsräume für Kinder und Familien.

 

 

Wasser-Trockenschwimmer

 

 

 

 

 

Diesem Werteverlust wollen wir mit unserem Projekt „Wasserlandschaft Mirke – wir machen Stadtblau!“ entgegenwirken. Am „Tag des offenen Denkmals“  (9.9.2018) wird im Freibad Mirke eine Veranstaltung stattfinden, mit der wir neue Impulse für eine nachhaltige und lebenswerte Entwicklung in unserer Stadt vorstellen. Freuen Sie sich mit uns auf einen spannenden Tag!